Mit Reimkünstler Bodo Wartke aus Bad Schwartau
Shownotes
Bodo Wartke kann Wörter drehen, stapeln und so lange miteinander spielen, bis daraus ein perfekter Reim entsteht. Aufgewachsen ist er in Reinbek und Bad Schwartau. Sein erstes eigenes Konzert gab er in der Aula seines Gymnasiums. Damit begann vor 30 Jahren seine Bühnenkarriere.
Im Gespräch geht es um seine Liebe zur Sprache, den weltweiten Erfolg von „Barbaras Rhabarberbar“ und die ernste Seite seiner Kunst. Denn in seinen Liedern verarbeitet er auch den frühen Verlust seiner Schwester Christine.
Transkript anzeigen
00:00:00: Schleswig-Holstein ist ein Land voller Menschen, Macher und Persönlichkeiten.
00:00:06: Uns erzählen sie
00:00:07: ihre Geschichte!
00:00:18: Er kann Wörter drehen, wenden,
00:00:20: stapeln und solange miteinander bekannt machen bis sie sich am Ende sogar reimen.
00:00:24: Bodo Vatke gehört zu den
00:00:25: klügsten
00:00:26: Sprachspielern Deutschlands.
00:00:27: mit seinem Klavierkabarett begeistert er sein Publikum seit dreizig Jahren.
00:00:32: Seine Wurzeln liegen in Schleswig-Holstein, Bodo vatke wuchs in Rheinbäck und bat Schwartau auf gab beim Leibniz Gymnasium sein erstes eigenes Konzert Und jetzt ist er bei mir.
00:00:41: Herzlich Willkommen!
00:00:48: Ja Bodo, schön dass wir uns hier zusammenfinden.
00:00:51: Ich freu mich sehr!
00:00:52: Wir haben schon mal versucht mit einem Teamscall technisch zusammenzukommen.
00:00:55: das endet ja in einem wilden Fluchen auf deiner Seite.
00:00:58: Technik ist so nicht deine ganz große Freude.
00:01:00: Wenn ich den Raum betrete geht Technik kaputt.
00:01:04: Anders kann ich mir das sicher klären.
00:01:06: Es ist auch so, dass Fachleute dann auch nicht mehr wissen wie es jetzt nicht geht.
00:01:09: und du bist ja mit zwei Plattformen gekommen nach dem Motto wenn die eine Plattform versagt haben wir immer noch die andere und beide gingen nicht.
00:01:17: Oh ja, das hab ich noch nie erlebt.
00:01:18: Das ist komisch!
00:01:19: Und ich dachte, ich erlebe das ständig?
00:01:22: Das ist für mich der Normalzustand, dass es nicht
00:01:24: geht.".
00:01:25: Ja
00:01:25: und du sagst dann die Familie flüchtet denn auch ganz gerne weil du anfängst laut zu fluchen.
00:01:29: Ich werd wirklich sehr schlechte Laune.
00:01:32: also und da möchte man nicht mit mir in einem Raum weinen, das verstehe ich.
00:01:36: Herzlich willkommen bei den Küstenköppen.
00:01:37: Ja, danke
00:01:38: schön.
00:01:38: Wir müssen
00:01:38: mal erklären warum Bodo dein Küssenkopf ist, weil geboren bist du in Hamburg.
00:01:42: Dann in Rheinbek aufgewachsen um den Battschwarthau.
00:01:45: Genau, also die ersten paar Jahre in Reinbeek und ab dem achten Lebensjahr in Wadschwarau.
00:01:52: Wenn du jetzt so zurückdenkst was sind das für Erinnerungen an Schleswig-Holstein?
00:01:55: Und deinen Großwerden dort?
00:01:57: Sehr schöne!
00:01:58: Also es wird ja mal gesagt, die Schleswich-Hollsteiner sind angeblich die glücklichsten Deutschen und würde sagen Ja, kann ich verstehen.
00:02:06: So wir haben nicht nur einen mehr sondern zwei.
00:02:10: Man muss sich über entscheiden.
00:02:12: Echte Luxusprobleme geografischer Natur.
00:02:16: Du hast ja mit Barbaras Rhabarba ... Ba?
00:02:21: Fängt schon an, wenn ich da schon haken muss, dann wird bewunderlich noch mehr, dass ihr das so hinbekommt.
00:02:25: Ein riesen viraler Hit gelandet.
00:02:28: und hast dir eine neue Zielgruppe nochmal erschaffen oder erreichst sie damit!
00:02:35: Ich kannte dich natürlich schon von deinem Klavierkabarett um deinen Konzerten und ersten Fernsehen Und da ging es ja noch mal richtig ab und zwar international, oder?
00:02:45: Das war so
00:02:46: krass.
00:02:46: Ja das kommt ja auch niemand an dass sich das International so verbreiten würde.
00:02:51: Ein deutscher Zungenbrecher Song.
00:02:53: Wer hätte das gedacht?
00:02:55: Ja und der Schöne ist, dass uns quasi nebenbei gelungen ist, so Vorteile zu widerlegen die man gegenüber Deutschland und den Deutschen ja hiegen kann.
00:03:05: Es ist humorlose, folgt da mit dieser komisch klingenden Sprache!
00:03:10: Und dann kommen wir uns zeigen wie die deutsche Sprache eben auch klingen kann und dass man eine Menge Spaß haben kann.
00:03:17: Das ist ja eine Freude, die sich auch dann überträgt wenn man der deutschen Sprache gar nicht mächtig ist.
00:03:23: Absolut, das merkt man ja auch an den Kommentaren auch, dass die Leute total begeistert sind und dieses Genlieren mit Worten lieben und eben auch diese Kunst darin erkennen, auch wenn sie die Sprache vielleicht gar nicht richtig verstehen können.
00:03:36: Genau!
00:03:37: Und also die musikalische Kraft, die das ausstrahlt... Also ich benutze ja Sprache gerne sehr musikalisch.
00:03:46: Also Klang-und-Rhythmus sind für mich halt Parameter.
00:03:50: Nicht nur dass die Sprach auf was aussagt sondern Sie soll bitte auch immer schön klingen.
00:03:53: Sie soll sich gut reimen.
00:03:55: Sie sollen interessant klingen Und das macht es eben interessant und da können halt auch alle irgendwie andocken.
00:04:03: So, also auch wenn du Deutsch nicht kannst, du hörst so, das klingt irgendwie cool und das macht Spaß auszusprechen.
00:04:10: Es ging ja sogar soweit dass Leute gesagt haben ich lerne jetzt Deutsch!
00:04:13: Ich will wissen was der Typ da zählt.
00:04:16: Das ist ein schöner Ansatz für Leute, denn einfach mal so eine andere Sprache und andere Kultur auch kennenzulernen vielleicht.
00:04:21: Genau!
00:04:21: Und
00:04:21: sich damit zu beschäftigen.
00:04:22: Ja,
00:04:22: bin ohne dass ich das beabsichtigt hätte Kulturbotschafter unseres Landes geworden.
00:04:27: Perfekt mehr geht nicht.
00:04:29: Sagen wir... Wann hast du gemerkt, dass du die Sprache, wärst du gerne mit Sprache spielst?
00:04:35: Damit John Leeus, mit Worten John Leees und Sprache liebst?
00:04:38: Die deutsche Sprache Liebste?
00:04:40: Ich fand es als Kind schon super.
00:04:42: also meine Patentante hat glaube ich maßgeblich Diese Freude in mir entfacht, die hat mir immer Gedichte geschrieben zum Geburtstag zu Weihnachten.
00:04:51: Ich hab versucht dem nachzueifern und hab dann auch Sachen in Reimformen geschrieben, Gedichte für sie.
00:04:56: Und weiß noch so ... Ewig lange Zeilen, wo sich am Ende irgendwann mal was gereimt hat.
00:05:02: Ich weiß noch in einem Weihnachtsgedicht an sie reimte ich ... Love Me Tender auf Christbaum stände, weil mir kein anderer Reim einfiel.
00:05:11: Und jetzt kommt da mal hin von Christbaum-Ständer zu Love MeTender, aber es hat geklappt!
00:05:17: Damals bildeten sich schon so bestimmte Raffinessen raus, dass ich dachte ja man kann ja auch innerhalb einer Zeile reimen und man kann die mehrfach reimen oder doppelt reimen also letztendlich das was Hip Hoppa machen.
00:05:32: In den Augen vieler Kinder, die mich über die Zungenbrecher kennengelernt haben, gelte ich als Rapper.
00:05:38: Die haben die Zungenbrecher-Songs entdeckt und haben das in Eltern gezeigt.
00:05:41: hier guck mal voll der coole Rapper und die so ja wir kennen ihn auch aber nicht als Rapper!
00:05:47: Das ist ja interessant.
00:05:48: Wie geht's dir denn, wenn du so ... Ob wir es im Freundes- oder Familienkreis wird.
00:05:52: Ist ja immer gerne genutzt auch mal einen kleinen Reim hinzuschmettern?
00:05:56: Ist das dann bei dir auch mal so, dass du da peinlich berührt bist und denkst, also, das hätte man sich jetzt sparen können?
00:06:01: Oder sagst du da viel free?
00:06:03: Also, Reim sollte jeder mal machen!
00:06:06: Ja ach, ich hab selber auch so angefangen.
00:06:09: So entstehen bei mir die Räime ja auch.
00:06:11: Es ist eben so wichtig, jetzt halt anfangen.
00:06:14: Und ins Machen kommen Und häufig entstehen... also, wo fange ich an?
00:06:24: Also der Reim, der es dann letztendlich ist oder der Song, der das letztendliche wird.
00:06:31: Das ist ganz selten der allererste Entwurf!
00:06:34: Dann hast du ja irgendwann auch in der Schule glaube ich dein erstes Konzert gegeben, ne?
00:06:39: In Wat Schwartau im Gymnasium,
00:06:41: in Aula?
00:06:41: Genau, ja man.
00:06:42: Mehrfach sogar Also bei manchen Schulkonzerten war ich halt dabei, bis sich anfing, eigene zu organisieren.
00:06:50: So mit einem Mitschüler zuerst und dann auch mein erstes eigenes Konzert mit ausschließlich eigenem Rappatoire.
00:06:57: Das war am sechzehnten November neunzehnundseixundneinzig im Jahr meines Abiturs und seitdem rechne ich.
00:07:02: das heißt in diesem Jahr jährt sich... also begehe ich mal ein dreißigjähriges Benübel hier.
00:07:08: Das finde ich ja stark, dass dieser Auftritt sozusagen wirklich der erste Step war und die erste große Bühnenerfahrung für dich.
00:07:14: Mit
00:07:14: neunzig?
00:07:16: Und waren das da auch durchweg Reimlichkeiten oder ...
00:07:20: Ja also... Die Freude am Wortspiel unter dem Reimen zieht sich seit Anbeginn durch manövrer.
00:07:26: Also das war damals schon vorhanden.
00:07:28: drunter habe ich es nicht gemacht.
00:07:29: Auch wenn mir die Sachen von damals anhören, denke ich auch so, ey krass!
00:07:35: Da wollte ich's wirklich wissen, damals schon
00:07:37: Wie würdest du deine Schulzeit so beschreiben in Bad Schwartau?
00:07:41: Ähm,
00:07:44: also es war schwierig für mich in Bad Schwartow anzukommen.
00:07:47: Weil ich halt meinen ganzen Freundeskreis in Rheinweg zurücklassen musste und
00:07:51: dann ... Und wie viele Jahren bist du hingezogen nach Bad Schwartow?
00:07:54: Mit acht!
00:07:55: Mit acht oder neun... Also schwieriges
00:07:57: Alter für einen Umzug?
00:07:58: Ja,
00:07:58: also ich kam dann in die vierte Grundschulklasse nach Bad Schwarta und war da halt erst mal fremd und so.
00:08:05: Das war schwierig.
00:08:06: Auf dem Gymnasium ging's, da hab ich dann ja auch einen völlig neuen Freundeskreis kennengelernt und ich bin gerne zur Schule gegangen auf die Grundschule nicht aber aufs Gymnasiums in Bad Schwader.
00:08:18: das fand ich eine tolle Zeit.
00:08:19: also er hat auch tolle Lehrerinnen und Lehrer und habe mich da sehr wohlgefühlt.
00:08:24: Ich war vor ein paar Jahren mal wieder da im Leibniz-Gymnasium.
00:08:28: Und das war echt schön, da nochmal so durchzulaufen und in Erinnerung zu schwägen.
00:08:33: So, und überhaupt ist schon geil, in Norddeutschland zu wohnen!
00:08:36: Also du nimmst ja Sachen als selbstverständlich hin.
00:08:39: Man fährt halt nach der Schule noch einmal an die Ostsee ... weil die ja um die Ecke ist.
00:08:44: Genau.
00:08:45: Was für ein Privileg, nach der Schule an die Osssee fahren zu können?
00:08:49: Andere Leute fahren in Urlaub her, um an die Ossee fahren zu gehen... und wir haben das nach der schule gemacht.
00:08:55: Ja und dann wenn man noch Hamburg vor der Tür hat, ich finde die Großstadt.
00:08:59: Und dann dieses Man kann wieder zurückkommen aufs Land so hat dann auch wieder sein Land leben oder seine Nord- und Ostsee oder so.
00:09:04: das finde ich eine tolle Kombination also dass man die das Urbane hat und es andere eben auch.
00:09:09: Jetzt ist ja der Rhababa aber sehr lustig.
00:09:15: Aber du bist ja auch wirklich sehr sehr kritisch in deinen Niedern.
00:09:18: Du nimmst ja vieles wirklich auf.
00:09:23: Also die politische Lage, du bist auch sehr melancholisch in vielen Dingen.
00:09:28: Vieles ist entstanden also vieles in deiner Kunst so habe ich es zumindest gelesen.
00:09:32: Auch manchmal was jetzt auch Liebe angeht zum Beispiel aus nicht erwiderte Liebe
00:09:37: Sind die meisten Songs raus entstanden?
00:09:39: Ja
00:09:39: Aus diesem Unglück entsteht ja meist ganz viel Kunst.
00:09:42: Ich glaube ohne das wären auch die größten liebes Songs niemals entstanden.
00:09:46: wahrscheinlich Ist das so gewesen, dass du dich dann immer in einem Tief hengesetzt hast und hast angefangen zu schreiben und zu dichten?
00:09:58: Nee.
00:09:59: Also ich glaube es geht erst wenn man schon ein bisschen sich wieder raus bewegt.
00:10:04: Am Anfang hast du ja auch häufig gar keine Worte für das was dir da widerfahren ist sondern bist da völlig paralysiert.
00:10:11: Und damit fängt's ja an... also wenn Du Texte schreiben willst brauchst Du ja Worte!
00:10:16: Und das ist ja auch ein Akt der Reflexion.
00:10:19: Was war da eigentlich?
00:10:19: Wie geht es mir eigentlich, was ist da eigentlich vorgefallen?
00:10:23: und dem dann eine schöne Form, eine ästhetische Form zu geben also in Reimformen zu bringen.
00:10:29: Das hilft mir auch.
00:10:30: Also wenn man Salopp gesagt hat die Scheiße in was Schönes verwandeln, das ist für mich halt ein... daraus ziehe ich ganz viel Trost.
00:10:38: Du
00:10:40: hast ja sehr viel verarbeitet in einen Liedern zum Beispiel auch Die Trauer über den sehr frühen Tod deiner Schwester Christine.
00:10:49: Zu trauern?
00:10:50: Gelernt hast du eigentlich erst später darüber, also das heißt ... Sie ist gestorben da war sie nicht mal ein Jahr alt.
00:10:56: Ein Monat und ein Tag
00:10:57: gerade geworden.
00:10:58: Ja.
00:10:59: Und ich denke mal, als wie alt warst du da?
00:11:03: Drei.
00:11:03: Gut.
00:11:04: Wahrscheinlich gar nicht so in der Präsenz wirklich wahrgenommen aber natürlich in Erzählungen, in der Beschäftigung rückbetrachten dann wahrscheinlich irgendwann nochmal sich das Thema vorgenommen.
00:11:13: Wann war das?
00:11:14: Wie kam es dazu dass du dich noch mal so intensiv mit dem Thema beschäftigt hast?
00:11:17: Ähm, also ich war halt lange damit beschäftigt auch als Kind zu versuchen meine Mutter zu trösten weil die natürlich sehr darunter gelitten hat.
00:11:30: Also ich bin nach der Trennung meiner Eltern bei meiner Mutter aufgewachsen habe halt die Trauer meiner Mutter eben miterlebt und war viel später erst selber in der Lage um meine Schwester zu trauern.
00:11:48: Und da kehrte es sich zum ersten Mal um, dass meine Mutter mich versucht hat zu trösten und mir die Tränen kamen.
00:11:55: Als sie mich besuchte in Berlin wir saßen in irgendeinem Café am Gendarmmarkt was man mit den Eltern so macht wenn sie zu Besuch kommen und dann übermante mich die Trauer um meine Schwester.
00:12:06: Das habe ich total genossen das endlich mal empfinden und rauslassen zu können.
00:12:14: Und meine Mutter war dann in der hilflosen Position, dass sie auch sagte, das ist jetzt ja wirklich lange her.
00:12:21: Das aber nicht der Punkt!
00:12:23: Und entscheidend war für mich die Erkenntnis ... kein Einzelkind zu sein.
00:12:27: Denn immer wenn man mich gefragt hat ob ich noch Geschwister hätte, hab ich gesagt nein, ich bin Einzelkind.
00:12:33: Dass ich irgendwann geschmallt habe, stimmt gar nicht.
00:12:37: und das war so eine frappierende Erkenntniss weil Auch wenn ich meine Schwester nie kennengelernt habe, sie dazu geführt hat, dass ich mich nicht mehr so alleine fühle.
00:12:46: Also das hat wirklich mit mir gemacht, es hat ein Hebel rumgelegt und mit diesen Worten endet auch der Stück ... Ich hab eine Schwester die ist zwar nicht mehr hier aber sie ist da.
00:13:03: Das sitzt!
00:13:04: Und vor allem sich die Zeiten zu nehmen oder überhaupt mal zu dem Punkt zu kommen dann auch darüber zu trauern und zu weinen?
00:13:11: Wir
00:13:11: haben das Lied vor gar nicht allzu langer Zeit auf YouTube veröffentlicht.
00:13:15: Und was die Leute in den Kommentaren schreiben, zerreißt einem wirklich das Herz.
00:13:20: Also man rechnet ja erst mal nicht so etwas im Liedformen da gereicht zu bekommen.
00:13:26: Das passiert sehr selten auch in dieser Konkretion Und auch Leute, die zu mir ins Konzert kommen rechnen damit erst mal nicht.
00:13:34: Die denken Bodo Wadke ist dieser witzige Reimet-Typ da.
00:13:37: Das stimmt ja auch aber das ist eben nur ein Teil der Wahrheit und ... dass Menschen einen Kind verlieren oder einen nahestehenden Menschen, das passiert gar nicht so selten.
00:13:49: Es gehört zum Leben, es passiert früher oder später uns allen.
00:13:57: Ich hab ganz schönes Feedback bekommen von den Leuten, die Konzerte besuchen wie auch in den Kommentarspalten zum Beispiel auf YouTube, dass manche die etwas Ähnliches erlebt haben sich zum ersten Mal gesehen und ernst genommen fühlen in ihrer Trauer.
00:14:16: Auch zum ersten mal überhaupt in Kontakt mit ihrer eigenen Trauer geraten.
00:14:21: also da schrieben Leute so jemand schrieb hier ich bin über achtzig und jetzt aufgrund des Liedes das erste Mal in der Lage um meinen Bruder zu trauern Und das finde ich so schön.
00:14:33: Also was ... Das hätte ich auch nie gedacht Das Lied so etwas bewirken kann, das war auch gar nicht meine Absicht.
00:14:38: Es ging mir vor allem darum meiner eigenen Trauer eine Form zu geben.
00:14:44: und ja also dass gerade dieses Lied für Gemeinschaft stiftet und anscheinend so viel Gutes bewirkt, das rührt mich
00:14:50: total.
00:14:51: Jetzt wieder zum Reim!
00:14:53: Inwieweit ist es so wenn du jetzt sagst du bist im Urlaub?
00:14:56: Und bis unterwegs... Kannst du da richtig abschalten oder bist du ständig auch im On und denkst, darüber müsste ich was schreiben?
00:15:03: Oder stehst du beim Bäcker und hörst zu.
00:15:05: Was reden die Leute ... Das ist so Input für dich und deine Kreativität.
00:15:09: Oder schaffst du es auch abzuschalten?
00:15:12: Na ja, Ideen kommen meistens dann, wenn es mir gelingt, abzusschalten.
00:15:17: Also das ist eigentlich total kontraproduktiv.
00:15:20: also ich bin.
00:15:22: Der Urlaub ist eigentlich die kreativste Zeit in dem Moment wo ich die Rübe frei hab mich nicht mit alltäglichen Problemen beschäftigen muss, schaffe ich damit automatisch den Nährboden auf dem Ideen erblühen können.
00:15:35: Also, Ideen zu haben, sie zu sich kommen zu lassen und ihn nachgehen zu können?
00:15:39: Das ist halt der größte Luxus!
00:15:40: Und das hab' ich am ersten dann wenn ich frei
00:15:44: habe.
00:15:44: also
00:15:44: es ist so die inspirierendste Zeit.
00:15:49: Wie machst du das?
00:15:51: Hast du denn eine Notizen-App und schreibst dir Dinge auf?
00:15:54: Ja.
00:15:54: Auf der Sonnenliege oder irgendwie beim Wandern.
00:15:59: Also ich hatte früher halt immer so ein Ringbuch, den auf hier kariert dabei.
00:16:03: So und inzwischen tippe ich das dann alles ins Handy.
00:16:06: Und dann nimmst du es mit?
00:16:07: Dann geht's aber an die Arbeit!
00:16:08: Wie ist da deine Haltung?
00:16:11: Es gibt viele, die haben gerade wenn sie ins Kreativität, dann wird das richtig anstrengend gerne noch mal ein bisschen von dieser Fleißarbeit weg.
00:16:20: Und das ist ja Fleiß-Arbeit, was du da machst.
00:16:22: Also diese Reimkultur ... Da muss man sich auf dem Hosenboden setzen und wirklich arbeiten!
00:16:29: Wie ist deine Haltung zu dieser kreativem Arbeit dann?
00:16:35: Ich mach's mir selber nicht leicht dadurch, dass ich möchte, dass es sich halt auch immer sehr schön und ausgecheckt reimt und dadurch, wenn ich immer denke, das geht doch bestimmt besser.
00:16:44: Dass ich mich mit Zeilen nicht zufrieden gebe mit denen andere sich längst schon zufrieden gegeben hätten.
00:16:50: Deswegen hab ich ja mit zeitgenössischer, deutschsprachiger Pop- und Rapmusik auch so meine Probleme, weil ich denke das räumt sich alles nicht,
00:16:57: setzt euch
00:16:57: hin geht euch mehr Mühe!
00:16:58: Das kann ja wo die
00:16:59: Wahr sein?
00:17:00: Wieso seid ihr
00:17:01: mir sowas
00:17:01: zufriedEN?!
00:17:03: Und... ...das ist ja letztendlich eine Geschmackssache.
00:17:06: man muss das ja nicht so machen wie ich das mach aber mir macht es ja Spaß.
00:17:13: also ich äh das ist für mich Also eine sportliche Herausforderung und auch ne ästhetische Befriedigung.
00:17:22: Es zu schaffen, es zum Meistern und das wirklich so auf den Punkt zu bringen dass ich das BAM auch noch richtig gut weint!
00:17:29: Und das ist eigentlich getragen von Freude also manchmal natürlich auch von Frohn und Pein Wie
00:17:37: ein Hausarbeiter auch ein bisschen.
00:17:39: Ja,
00:17:39: vor allem wenn du das nicht schon so gut wie fertig hast und dann ist da diese eine Zeile wo du denkst, die musst du noch und ich kann doch jetzt nicht und das kann schon sein dass sich dann mich wirklich in was festbeiß aber auch das Beste was man da machen kann es loslassen so und es und dann wirklich lassen wenn es kein Spaß mehr macht was anderes machen und dann kommt's am nächsten Tag zu dir.
00:18:02: Das ist aber auch nur eine Phase des künstlerischen Prozesses.
00:18:04: Die andere Phase, das dann natürlich alles in Form zu bringen und zu üben.
00:18:09: Und gerade in meinem jüngsten Programm mache ich Sachen, die sind echt schwer!
00:18:13: Also... Ich war begeistert von der Idee.
00:18:16: So ey, ich spiele mehrere Instrumente gleichzeitig.
00:18:18: Ich spiele nicht nur Klavier sondern pass mal auf!
00:18:19: Ich spiel hier mit dem linken Fuß auch noch ein Bassdrumm und mit dem rechten Nissen ja.
00:18:22: und dann spiele ich hier noch ne Orgel also pro Gliedmaße mindestens sein Instrument und das witzig und da klingt es voll geil.
00:18:31: üben, das ist aber hammer schwer.
00:18:34: Ey oh also ich habe richtig lange gebraucht dass zumeist dann aber in dem moment wo du das dann kannst bist du auch entschädigt für die ganze fron auf den weg dorthin denn dann kannst du das und macht das hat auch richtig spaß.
00:18:48: und den einen rein zu finden der es dann auf den punkt bringt entschälte ich dich auch alles vorher, für alle Irrewege die du gegangen bist.
00:19:02: und deswegen ist meistens der künstlerische Prozess bei mir getragen von Freude.
00:19:10: Freude und Neugier.
00:19:13: Wem stellst du deine neuesten Ideen vor?
00:19:15: oder das Produkt dann, dass du geschaffen hast?
00:19:17: An die nicht bei drei auf dem Baum sitzt.
00:19:20: Ja genau.
00:19:22: Also natürlich... Vor allem meinem Kompagnon- und Regisseur und Freund Sven mit dem ich meinen Laden zusammenschmeiße.
00:19:30: Der ist meistens der erste, der das hört.
00:19:32: Wobei sich da herausgestellt hat.
00:19:34: also ich kenne ja seinen Geschmack und ich weiß was er gut findet und was nicht und da ist es immer ganz gut ihn die Sachen erst zu präsentieren, wenn sie schon gewissen Fertiggrat erreicht haben.
00:19:51: Also wenn so formbare Masse zum Kneten da ist und wenn ich selber auch schon eine Haltung dazu entwickelt habe weil er sehr kritisch ist und das kann einem manchmal auch ein bisschen den Wind außen segeln nehmen So, weil er... Also, wie ist es so?
00:20:09: Er sagt Ja aber das gibt doch nicht so richtig Sinn und ich sage
00:20:12: Aber es reibt sich so schön!
00:20:19: Und da eben also etwas zu finden was sie eben nicht nur schön rein sondern auch noch innerlich auf den Punkt bringt.
00:20:28: Was du sagen willst.
00:20:29: Das ist ja das Endziel und da sind wir uns dann auch einig.
00:20:32: Am Ende sind wir immer an einem an einem Punkt, wo wir beide sagen ja so ist geil.
00:20:40: Das darf jetzt aus Publikum losgelassen werden.
00:20:44: Schafe Kritiker sind auch die eigenen Kinder wie es ist bei deinem Sohn wenn du dem was vorspielst oder machst das gar nicht?
00:20:50: Doch das mache ich auch.
00:20:51: also er ist von vielen relativ unbeeindruckt denkt man immer so aber das scheint Spuren zu hinterlassen weil er dann selber auch auf Ideen und doch Witze kommt wo ich denke
00:21:03: geil
00:21:05: Und ganz schön smart.
00:21:06: Dann fängt er da an zu rappen und auch an zu freestylen, so als er klein war.
00:21:12: Hat er sich mal mit meinem Handy gefilmt ... Ich hab das zufällig entdeckt auf meinem Handy.
00:21:16: Das ist
00:21:18: das.
00:21:19: Hier guck mal, Jena!
00:21:20: Und dann war er da so am rappen- und freestylten, wenn die Sonne scheint.
00:21:24: Finde ich das voll schön.
00:21:26: Da treff' ich mich mit meinen
00:21:28: Freunden.".
00:21:30: Und da war der fünf oder so?
00:21:32: Also super niedlich.
00:21:34: Oder neulich erzählt er mir einen Witt, den er sich selber ausgedacht hat.
00:21:37: Wo ich auch dachte, ey das ist ja total schlau!
00:21:40: Und zwar im dritten Teil von Star Wars, der er mit einem Kumpel gesehen hat... Da wird ja Maze Windu, der Jedi-Ritter von Anakin Skywalker zur Strecke gebracht und zwar ... Ich hab den Film damals im Kino gesehen, ich weiß es gar nicht mehr so ganz genau.
00:21:59: Er wird irgendwie so mit der Macht weggeschleudert aus dem Fenster vom Jedi-Tempel.
00:22:04: Und dann sagte Hanno zu mir, Maze Window flew out of the window, er trägt die Ursache seines Todes bereits in seinem Nachnamen.
00:22:16: und ich dachte, alter.
00:22:19: es ist auf mehreren Ebenen Platz erstens Englisch, zweitens Wortspiel drittens Vollschlau Mein
00:22:26: Sohn!
00:22:28: Großartig, großartig.
00:22:30: Du hast selbst mal gesagt, dass deine Kindheit nicht ganz so einfach war oder du nicht eine schöne Kindheit hattest?
00:22:35: Ist das richtig
00:22:37: zitiert?
00:22:37: Ja, bei mir wurde natürlich auch über viele Sachen nicht gesprochen und meine Eltern haben sich getrennt auf nicht besonders freundliche Art und Weise.
00:22:48: Ich bin bei meiner Mutter dann aufgewachsen weil ich mit meinem Vater nichts zu tun haben wollte.
00:22:56: Meine Mutter hat mir eben mal erzählt, der wär böse.
00:23:00: Und als Kind glaubst du das ja und bist nicht in der Lage, das differenziert zu betrachten?
00:23:04: Dadurch hab ich es viel später erst wieder den Kontakt zu meinem Vater gesucht und hergestellt... ...und hatte in den entscheidenden Jahren meiner Kindheit und Jugend keinen Vater!
00:23:13: Das finde ich schon sehr grausam, dass mein Vater da so geraubt wurde.
00:23:21: Man spricht von einer schweren Form des seelischen Missbrauchs Und sein Kind zu instrumentalisieren, um dem Ex-Partner eins auszuwischen.
00:23:29: Das find ich ganz, ganz kacke!
00:23:32: Also da hab' ich sehr drunter gelitten und tu das auch noch... Ich konnte ... Ich habe einen guten Kontakt mit meinem Vater wieder herstellen können.
00:23:40: Auch am Ende seines Lebensbeineeltern sind inzwischen verstorben.
00:23:43: Ja?
00:23:43: So, also alles negative wurde dann meinem Vater zugeschrieben.
00:23:47: Das hast du von deinem
00:23:48: Vater?!
00:23:49: Und ich hab tatsächlich dann ... Also, witzige Weise, das war scheinbar der Auslöser nachdem meine erste Freundin sich von mir getrennt hatte.
00:23:58: Mal ganz bewusst den Kontakt zu meinem Vater gesucht hier in Hamburg und ich hab mit ihm getroffen und habe ihn gefragt, sag mal, dies und jenes was meine Mutter über dich erzählt?
00:24:08: Stimmt das?
00:24:09: Hast du das so
00:24:10: gesagt?".
00:24:11: Und er hat sich dem gestellt und er hat gesagt Ja, das habe ich gesagt Das tut mich auch leid In der Situation wusste ich mir nicht anders zu helfen, es war ein Effekt.
00:24:21: Aber vorher hat deine Mutter dies und jenes zu mir gesagt.
00:24:24: Und das war halt noch viel krasser, und das hatte mir meine Mutter natürlich nie erzählt.
00:24:30: Also auch richtig niederträchtig und gemein und ich dachte ach du Herr Yemini ... So also dann hab ich irgendwie erkannt okay ich find's nicht cool wie mein Vater reagiert hat aber... Ich kann's verstehen!
00:24:43: Und das hat das Ganze dann wirklich mal so zurecht geruckelt.
00:24:49: Ja, ich hab dann eben realisiert mein Vater ist gar nicht der als den meine Mutter ihn immer hingestellt hat.
00:24:56: Das war da mal so die Directors-Cut?
00:24:58: Hast du mir die ganze Geschichte gehört also von beiden Seiten?
00:25:01: Ich musste
00:25:02: halt Anfang Mitte zwanzig werden um auf diese Idee zu kommen und um diesen Schritt zu gehen aber Gott sei Dank habe ich das gemacht.
00:25:08: Und dadurch bist du auch sozusagen fein gewesen.
00:25:12: zum Schluss.
00:25:14: Als er dann verstorben war, warst du noch bei ihm?
00:25:17: Ja, also er ist zur Corona-Zeiten verstorben an einem ... Und in der Zeit hab ich mich viel um ihn gekümmert.
00:25:28: Da war nämlich seine Frau meine Stiefmutter mit dem anderen befunden im Krankenhaus und dann habe ich bei ihm gewohnt und hab für ihn gekocht und so seinen Haushalt einen Schuss gehalten.
00:25:39: Also war Hausmeister quasi.
00:25:42: Und hab einfach viele Alltag mit ihm verbracht wie ein so einer Buddy-WG.
00:25:47: Und er hat mit ihm fern gesehen und mich über Sachen mit ihm auseinander gesetzt.
00:25:52: Also einfach so ein bisschen Zeit, gemeinsame Zeit nachzuholen, das war total gut.
00:25:56: Vor allem ... Der war auch kein einfacher Mensch, aber ich hab halt in der Zeit gelernt ihn zu nehmen wie er war.
00:26:06: Das erste Mal als ich da war, hab ich mich häufig immerhin aufgeregt und dachte, oh, wieso ist denn der so?
00:26:12: Wieso machten wir das?
00:26:13: Oh, war er doch!
00:26:15: Es endete damit am Ende der Zeit.
00:26:18: Also ich war mehrere Wochen da und das ging ja auch.
00:26:20: Eine Corona-Seitank, ich konnte nicht auf Tour gehen, ich hatte Zeit!
00:26:27: Das hatte total was Gutes, dass es möglich war.
00:26:31: Und dann drückte er mir am Schluss der ersten paar Wochen die ich da war... So ein Brief im Schlag mit Geld in die Hand, damit du noch mal wieder kommst.
00:26:37: Und ich sagte so ey!
00:26:39: Du musst mir doch kein Geld geben das ist doch selbstverständlich dass ich komme es und ich dachte dann auch wer also mir würde schon reichen wenn er einfach mal Danke sagen wird.
00:26:48: das hat er nämlich nie gemacht.
00:26:50: okay so also ich und ich dachte jetzt nimmt der das alles als selbstverständlichen so und dann habe ich ihm nachgang erst geschneit.
00:26:56: ja ok das ist seine form danke zu sagen.
00:27:01: Also dass er es nicht sagt, heißt nicht, dass er's nicht empfindet.
00:27:04: Und da bringt das anders zum Ausdruck auf sehr wehrter Art und Weise ... Aber so ist vielleicht auch in der Generation.
00:27:14: aber für ihn ... War das
00:27:15: eine Wertschätzung für dich?
00:27:17: Genau!
00:27:17: Da konnte ich so ... Das hat auch einen Schalter umgelegt in mir.
00:27:20: Dass ich gemerkt hab, mein Vater spricht ne andere Sprache als ich.
00:27:24: Ich fange an die zu
00:27:25: verstehen.
00:27:26: Er kümmert sich anders.
00:27:28: So,
00:27:28: genau.
00:27:29: Und dann konnte ich mit einem ganz anderen Gefühl das zweite Mal hinfahren, als ich wieder ein paar Wochen und Monate bei ihm war.
00:27:35: Und mich um ihn gekümmert habe ... Er war derselbe Typ!
00:27:40: Aber ich konnte es ganz anders einordnen.
00:27:43: Das hat auch total gut getan zu merken.
00:27:45: Ich muss nicht darauf warten, dass mein Vater sich ändert.
00:27:48: Hoffentlich irgendwann.
00:27:50: Sondern ich hab es geschafft, ohne mir vorgenommen zu haben in mir selber was zu ändern, nämlich die Sicht auf ihn.
00:27:56: Und das hat mich total entspannt.
00:27:59: Ich bin bedankbar für diese Zeit, die wir noch zusammen haben konnten.
00:28:03: Wie hat deine Mutter darauf reagiert, dass du den Kontakt wieder aufgenommen hast zu deinem Vater?
00:28:09: Das war im Anfang natürlich erst mal suspekt aber ich hab das durchgezogen.
00:28:13: also Weihnachten war ich dann immer heilig ab bei ihr am ersten Weihnachtsfeiertag bei ihm und am zweiten Weihnachts feiertag war meiner Tante.
00:28:24: Die wohnen auch im Norden in Plönen.
00:28:27: Da kam halt immer so ein Großteil der Verwandtschaft zusammen Und du bist natürlich, wenn du als Kind da bist dann auch immer wieder in der Rolle des Kindes.
00:28:35: Das sind ja alle mit am Struggeln.
00:28:37: also da kommt ja keiner irgendwie raus und das habe ich auch meistens nicht länger als einen Tag aushalten können.
00:28:46: so und war dann immer ganz froh zu meiner Tat.
00:28:49: So endlich normale Leute.
00:28:51: Hatte das denn eine Leichtigkeit?
00:28:53: Ist die so ein richtig Norddeutsche?
00:28:57: Ab wann ist man ein richtiger Norddeutcher?
00:29:01: Das Interessante ist ja, also warum sind unsere Eltern so wie sie sind?
00:29:07: Weil sie die Kinder ihrer Eltern sind.
00:29:10: Und die waren im Krieg und mussten damit irgendwie klarkommen und sich irgendwie verhalten.
00:29:17: Meine Familie Mütterlicherseits hat halt auch eine Fluchtgeschichte ... Die Familie wurde zerrissen, meine Mutter war eins von fünf Kindern.
00:29:28: Meine Tante ist halt vom Gemüt her anders als meine Mutter.
00:29:32: Und die Ficht fiel es nicht so an, was ... was meinem Mutter halt total persönlich genommen hat.
00:29:42: Also völlig unterschiedliche Menschen.
00:29:44: also man hatte mal gemerkt das sind Schwestern aber diese sind so anders!
00:29:47: Die reagieren so anders auf Dinge und da ist jetzt schwer zu sagen okay warum isst ihr eine so und die andere so?
00:29:55: Denn sie waren beide in der gleichen Situation Und die eine ist eben so damit umgegangen und die andere so.
00:30:01: Bei der einen hat es Spuren hinterlassen, bei der anderen nicht.
00:30:04: Jetzt bist du selber Papa, hast du ja gesagt?
00:30:08: Wie kannst du denn deine Erfahrungen, die du gemacht hast ... Gott will nicht für deine Kinder in die Wiederholung schicken.
00:30:14: Wie machst du das?
00:30:15: Bist du ständig in der eigenen Überprüfung?
00:30:19: Mach ich das jetzt richtig?
00:30:20: Frage ich genügend nach!
00:30:21: Wie gehst du da mit um ein anderer Vater zu werden als der der dein Vater vielleicht für dich war.
00:30:32: Ja, ich frag meinen Kind das ziemlich häufig wie es ihm geht.
00:30:38: Seine Antworten werden auch differenzierter.
00:30:40: also er sagt natürlich meistens ja gut aber jetzt kann er dann auch besser artikulieren wenn's ihm nicht so gut geht.
00:30:48: Auch die Mutter von ihm und ich sind nicht mehr zusammen Aber ich würde da nicht vom Ende einer Beziehung sprechen.
00:30:54: Also wir haben halt keine Liebesbeziehungen mehr.
00:30:57: Wir haben aber immer noch eine älterliche Beziehungen.
00:31:00: Also selbst wenn das eine endet, ist das andere ja noch da.
00:31:05: Wir haben nach wie vor Bock bei der Eltern unseres Sohnes zu sein und fahren auch zusammen in Urlaub regelmäßig.
00:31:12: Das ist sehr unkompliziert.
00:31:15: Da bin ich Gott froh, dass es geht.
00:31:18: Dass meine Ex-Partnerin nicht so gestrickt ist als meine Mutter.
00:31:24: Nicht von Rache gelöstend durchdrungen ist versucht mir das Leben zur Hölle zu machen, sondern total kommunikativ, kooperativ.
00:31:38: Ja also und wir haben einige Leute im Freundeskreis bei denen das so ist die wir zu Beginn immer beneidet haben und so dachten wenn sie uns getrennen dann werden wir hoffentlich so cool wie die.
00:31:47: und sind es geworden!
00:31:49: Dieser virale Hit als ihr das Ding aufgenommen habt war euch da schon klar was ihr da?
00:31:55: gesetzt habt und dass
00:31:56: das überhaupt nicht kommt.
00:31:58: Das war ja einer von vielen Zungenreichern, die wir gemacht haben Und da führte eben eins zum anderen.
00:32:03: also wahrscheinlich wirklich der besondere Klang dieser Zungenbrecher auf dem mein Song basiert den gab's ja schon vorher.
00:32:11: Also das ist ja die ganze Idee.
00:32:13: ich greife zungenbreche auf die es gibt die man auch kennt Fischersfritz, Potsdamer Postkutscha, Blaukraut, Brautkleid so was und den hatte ich im Internet gefunden Und da war der schon viral.
00:32:25: Der war nur nicht in Reimform, und er wurde ganz zauberhaft illustriert.
00:32:28: Dieses Video haben sich auch etliche Leute Millionen damals schon angeschaut auf YouTube vor zwölf, dreizehn Jahren.
00:32:37: Inzwischen kenne ich die Leute, die das erschaffen haben.
00:32:39: Ausgedacht hat sich den Zungenbrecher ein Lehrer namens Tom Witzel aus Köln.
00:32:42: Schöne Grüße!
00:32:43: Meistlich im Sendig-Bean.
00:32:47: Gezeichnet hat es eine Illustratore namens Michelle Winter.
00:32:53: Ich hab halt auch die natürlich gefragt, hier hör mal.
00:32:57: Kann ich das machen in reiner Form und seid ihr damit einverstanden?
00:32:59: Also bei manchen Zungenbrechern war es nicht so einfach, die Urheberschaft zu ergründen rauszufinden von wem ist der eigentlich?
00:33:07: Und dann sind auch in manchen Fällen Leute nachträglich auf uns zugekommen und haben gesagt, geeignet ist das aber auch mir!
00:33:15: Aber wir werden uns da natürlich einig.
00:33:18: da niemand was wegnehmen soll.
00:33:20: Und bei Babaras Rabababa ist es nun im Speziellen auch noch so, dass ... Auch Tom Witzel nicht der einzige ist, der das aufgegriffen hat, sondern es gibt auch andere Kollegen die aus Barbara und Rhabarba und Barbaren Songs gemacht haben.
00:33:33: zum Beispiel Semitavales sind lieber Kollege von mir, den ich aus einem Varietierkontext kenne oder die schwarze Grütze tolles Musik-Comedy-Duo aus Potsdam.
00:33:40: Auch wir haben Lieder über Barbaren-Barbara und Rabbaba, die alle ein bisschen anders sind aber halt auf dem gleichen Worten basieren.
00:33:49: Und das geht sogar bis zurück in die Antike, also ich habe inzwischen rausgefunden im Pompeii gibt es einen Graffiti an der Wand was auch ein Zungenbrecher ist.
00:34:00: er auf Barbaren und Rhabarber und Barbaras basiert nur halt auf Latein.
00:34:04: okay so also.
00:34:05: dass war glaube ich echt der erste und das ist ja auch naheliegend.
00:34:08: na diese Worte schreien ja geradezu danach in irgendeiner Form verwendet zu werden denn sie klingen ja halt so irre.
00:34:17: Das war damals schon im alten Romshow bzw.
00:34:19: in Pompey, dass man sich darüber beömmeln konnte wie lustig das klingt.
00:34:24: und das Besondere ist halt ... Ich hab's in reim Form gebracht aber eben die Geschichte von Tom Witzel Und Marty Fischer.
00:34:34: der Kollege hat es mit Beats unterlegt und den Song dazu komponiert und das klingt anscheinend so besonders in diese Darreichungsform.
00:34:43: Dass da viele Leute schon von begeistert waren Auch fremdsprachige Menschen, die das auf ihren eigenen Kanälen als Kuriosum präsentiert haben.
00:34:53: Schau mal!
00:34:54: So kann die deutsche Sprache auch klängen und Leute, die dann wissen wollen was heißt das denn?
00:34:58: Und anfingen es in ihre Sprachen zu übersetzen, richtig toll oder sich dazu ein Tanz überlegt haben.
00:35:07: Nämlich in dem Fall zwei Musicalstudentinnen aus Perth und Australien, die supergut tanzen können die dann wiederum etliche Menschen aufgegriffen und nachgetanzt und weiterentwickelt haben.
00:35:20: Also so ein internationales Gemeinschaftsding, wo ich so dachte Halleluja!
00:35:27: Dafür ist das Internet doch eigentlich mal gedacht gewesen, dass es über Kontinente hinweg Menschen zueinander bringt, die kreativ gemeinsam was entwickeln.
00:35:37: Und als Martin und ich diesen Tanz dann aufgriffen, und nachtansten schloss sich der Kreis.
00:35:41: also da es halt kurz mal das Internet explodiert.
00:35:43: Ja.
00:35:44: Das ist total fantastisch!
00:35:47: Dass wir jetzt... dass wir das eben auch machen.
00:35:49: Ja
00:35:49: ja.
00:35:50: Und damit haben wir nicht gerechnet, das war ja überwältigend.
00:35:52: Und wer denn alles uns interviewn wollte?
00:35:54: Wir standen auf der Titelseite der New York Times.
00:35:56: Auf der Titelseite
00:35:57: Mann.
00:35:58: Wahnsinn.
00:35:58: Der Guardian rief an.
00:36:00: Le Figaro so.
00:36:01: An alle konnten sie's nicht fassen.
00:36:03: Habt ihr den Auftritt auch geplant?
00:36:05: irgendwie für die deutsche Minderheit in New York?
00:36:08: oder keine Ahnung.
00:36:10: Wir sind sehr spontan in der amerikanischen Akademie in Berlin aufgetreten, das hat sich ergeben da wir waren dort eigentlich nur eingeladen.
00:36:17: aber so hey wollt ihr nicht auftreten?
00:36:19: Hier ist ne Bühne hier sind zwei Mikrofone und los!
00:36:27: Also ziemlich überrumpelt aber es war lustig, es hat Spaß gemacht.
00:36:30: Nun hast du ja einen eigenen Musikverlag Und bringst ja deine Alben, also du setzt dich selbst unter Druck sozusagen.
00:36:36: Also wenn du jetzt kreativ bist dann steht da kein... Wer steht hinter dir und klopft die auf die Schulter?
00:36:41: Und sagt hier mach mal das neue Album fertig.
00:36:44: Ja vor allem ich selber.
00:36:45: Ich will ja dass es ein neues Album von mir gibt so.
00:36:48: Wir haben meine eigene Plattenfirma gegründet der Sven und ich damals weil wir halt wollten dass es Platten von mir gibts.
00:36:53: Und Platten Firmen haben sich halt einen Scheiß für mich interessiert wie bist du denn was machst du denn da quatschen?
00:36:59: Wir dachten, wir müssen das selber machen.
00:37:01: Dann hab ich rausgefunden, wie geht's im Plattenlabel gründen?
00:37:05: Du musst ein Gewerbe anwenden.
00:37:07: Aha!
00:37:08: Wo kriegst du den?
00:37:09: Aha!
00:37:10: Okay.
00:37:10: Brauchst du einen Labelcode?
00:37:12: Wo gibts denen?
00:37:13: Ah ja bei der GVL wärs das
00:37:14: denn.".
00:37:15: Also wir haben uns einfach diese Kenntnisse drauf geschafft und haben dann unser eigenes Label gegründet, unsere eigene Plattenfirma und machen es halt so, wie wir das gut finden.
00:37:23: Wie wir das auch moralisch und künstlerisch vertreten können.
00:37:29: Und inzwischen interessieren sich natürlich Plattenfirmen für uns und klopfen an, und wir sagen danke nein!
00:37:34: Wir machen das lieber selber, wir finden es nämlich so wie wir das machen besser als ihr das macht und diese Autonomie zu haben seine Integrität wahren zu können.
00:37:44: Das ist ein ganz großes Privileg.
00:37:46: Was soll von Bode bleiben?
00:37:47: Von Bodo-Wadge?
00:37:48: Was ist dein Ziel?
00:37:49: Also was ist dein Wunsch für die nächsten Generationen wenn du irgendwann nicht mehr da bist?
00:37:57: Freude und Trost.
00:37:58: Wenn ich das mit meinen Stücken spenden kann, auch über mein Tod hinaus ... Das wäre schön!
00:38:05: Also dass man sich zu jeder Lebenssituation passenden Zungen anhören kann, der dir hilft.
00:38:13: Und Freude im Alltag zu finden, den Fähnissen des Alltags Humor abzutrotzen und sich einen buchstäblichen Reim auf alles machen zu können Ja also dem Leben mit Leichtigkeit begegnen zu können, leichter durchs Leben zu gehen.
00:38:33: Wenn ich das stiften kann, dann habe ich alles erreicht.
00:38:37: Danke dir, Bruno!
00:38:38: Zusammen sind wir
00:38:52: Schleswig-Holstein!
Neuer Kommentar